Gestalttherapie im Wandel

Von den Ursprüngen zum Jetzt – zu den Visionen von Morgen

25.-27. September 2009

 

Die Jubiläumsveranstaltung zur 20. Arbeitstagung des VGG

ist ein guter Anlass, sich mal wieder mit der Gestalttherapie als solches auseinanderzusetzen, indem wir uns rückbesinnen auf ihre vielfältigen und tragfähigen Wurzeln und uns ihres aktuellen Standpunktes in der Gesellschaft bewusst werden. Im praktischen Teil beschäftigen wir uns mit der gestalttherapeutischen Haltung und der Kunst der gestalttherapeutischen Intervention. Abschließend wagen wir einen visionären Blick in die Zukunft der Gestalttherapie und des VGG. Wir freuen uns, für diese bedeutsame Veranstaltung einen sehr kompetenten Referenten gewonnen zu haben (E. Doubrawa).

 

Workshops:

Ebehard Doubrawa:

Freitag, 19.30 (- ca. 21.30)

Es war einmal vor langer langer Zeit in einem weit entfernten Land

Eine [ermutigende!] Gestalt-Geschichtsstunde

Gestalttherapie an ihren Wurzeln. Einfach und kraftvoll. Voller Enthusiasmus. Gestalttherapie hat mit Begeisterung zu tun. Und mit dem, was dem Herzen nahe ist. Sie ist weit mehr, als nur irgendeine weitere therapeutische Methode. Sie ist eine Lebensweise. So haben die Begründer und deren erste Schüler die Gestalttherapie verstanden: Als Haltung, die gelernt und immer wieder eingeübt werden will.

„Die Erinnerung an die Vergangenheit kann gefährliche Einsichten aufkommen lassen, und die etablierte Gesellschaft scheint die subversiven Inhalte des Gedächtnisses zu fürchten. […] Das Gedächtnis ruft […] vergangene Hoffnung in die Erinnerung zurück.“                        

Herbert Marcuse    

Ganz herzlich möchte ich Sie zu dieser ermutigenden Geschichtsstunde der Gestalttherapie einladen – in der dunklen Nacht des „neuen“ Psychotherapeutengesetzes … nach dem Sturz der deutschen Gestalttherapie in die Depression und die Hoffnungslosigkeit … in einer Zeit, wo häufig vom Ende der Gestalttherapie geredet wird – oder sogar spöttisch davon, dass „die Zukunft der Gestalttherapie schon längst hinter uns liegt“.

Samstag, 9.30 – 13.00 und 15.00 – 18.30

Die Seele berühren

Eine zweiteilige Praxiswerkstatt zur gestalttherapeutischen Haltung und der Kunst der gestalttherapeutischen Intervention.

Das Ziel der Gestalttherapie fasse ich gern als „sich wieder öffnen“ zusammen: Wir mussten uns nämlich allzu oft verschließen. Aus Schutz und um zu überleben, haben wir uns abgeschirmt mit einer glatten, undurchsichtigen Oberfläche. Derart sind eingekapselte „Entzündungen“ entstanden, Reste von früheren Verlusten und Verletzungen. Gestalttherapie lädt uns ein, uns behutsam wieder zu öffnen, damit das, was der Heilung bedarf, an die Oberfläche treten und endlich abgeschlossen werden kann. Auf diese Weise können wir uns wieder für das Zwischenmenschliche öffnen, für den anderen, für das Du. Und so können schließlich wieder Begegnungen und Berührungen geschehen und Beziehungen und Bindungen eingegangen werden.

Mein zweiteiliger Workshop am Samstag ist ein Angebot für Kolleginnen und Kollegen, die ihre therapeutische Haltung vertiefen und festigen und ihr therapeutisches Interventionspotential weiter entfalten möchten.

Im Wechsel von Minilektionen, vertiefenden Übungen und (berufsorientierter) Selbsterfahrung kann es u.a. um folgende Themenbereiche gehen – orientiert an Ihren Bedürfnissen:

  •      Gestalttherapeutische Haltung
  •      Präsenz, Achtsamkeit und Begegnungsfähigkeit des Therapeuten
  •      Würdigung des Klienten und seines kreativen Potentials
  •      3-Stufen-Modell der gestalttherapeutischen Intervention
  •      Therapeutische Arbeit mit äußeren Wahrnehmungen vom Klienten und mit inneren Wahrnehmungen des Therapeuten
  •      Paradoxe Theorie der Veränderung und Narzissmus des Therapeuten
  •      Feldaspekte: Übertragung-Gegenübertragung und systemische Perspektive

Sonntag,9:30 – 13:00

Und wenn Sie nicht gestorben sind, dann leben sie glücklich und zufrieden

Eine [beflügelnde!] Gestalt-Zukunftswerkstatt

In einer Zeit, in der sich die kognitiv-behaviorale Verhaltenstherapie für sich die Einführung der „Achtsamkeit“ in die Psychotherapie in Anspruch nimmt – brauchen wir Gestalttherapeutinnen und Gestalttherapeuten unser Licht nicht (weiter) „unter den Scheffel zu stellen“.

„Super, neu, innovativ . . ., aber halt. Gab es da nicht in den 50er- und 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts diesen Typen Fritz Perls, der so eine komisch klingende Therapierichtung begründet hat, wie hieß die doch gleich? . . . ‚Gestalttherapie’. Damals nannte man Achtsamkeit noch ‚awareness’ …“

                                                                        Peter Neureuther

Zum Ausklang der Tagung … mit der Methode der Zukunftswerkstatt u.a. des Zukunftsforschers Robert Jungk wieder zu unserer Fantasie und Kreativität (zurück-) finden … Mut schöpfen für eine verändernde Praxis … die Begeisterung neu spüren. Die Zukunft der Gestalttherapie liegt immer noch vor uns – heute mehr denn je!

„Wir haben allen Grund zur Hoffnung, denn das Herzstück der Gestalttherapie ist das „Paradox der Veränderung“!

Arnold R. Beisser

 

Referent

Ebehard Doubrawa:

Erhard Doubrawa arbeitet als Gestalttherapeut in Köln. Er ist Gründer und Leiter des Gestalt-Instituts Köln (GIK) wo er auch als Ausbilder tätig ist. Außerdem gibt er die Gestalttherapie-Zeitschrift „Gestaltkritik“ heraus. Im Peter Hammer Verlag ediert er zusammen mit seiner Frau Anke, einer niedergelassenen Psychotherapeutin, eine Reihe zur Theorie und Praxis der Gestalttherapie. Buchveröffentlichungen u.a.: „Die Seele berühren. Erzählte Gestalt­therapie“ und (gemeinsam mit Stefan Blankertz): „Einladung zur Gestalt­therapie. Eine Einführung mit Beispielen“ und „Lexikon der Gestalttherapie“.

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